Stuttgarter Zeitungslauf am 22.06.2008

Bereits zum 15. Mal fand am 21. und 22.06.2008 der Stuttgarter Zeitungslauf statt.

Aus einfachen Anfängen heraus entwickelte sich dieser Lauf zum zweitgrößten Halbmarathon Deutschlands. Lediglich der Berliner Halbmarathon hat mehr Teilnehmer.

Anders als bei anderen Laufveranstaltungen verzichten hier die Veranstalter auf den Einkauf hochkarätiger Läufer, wodurch der Charakter eines reinen Volkslaufes erhalten bleibt. Einzig Seriensieger und deutscher Halbmarathonmeister Martin Beckmann, der die Olympia-Qualifikation als schnellster Deutscher im Marathon knapp verfehlte, und die Boxerin Alessia Graf waren als prominente Läufer am Start des Halbmarathons.

Mit den Streckenangeboten Halbmarathon, 8km-Lauf, Handbike- und Rollstuhl-Halbmarathon, Inline, Walking, Kids Inline, Minimarathon und Jolinchen-Lauf war für die ganze Familie was dabei.

Auch das Rahmenprogramm auf der Mercedes-Straße zwischen Hanns-Martin-Schleyer-Halle und Gottlieb-Daimler-Stadion sorgte mit einer überdimensionalen Hüpfburg, einem Bungee-Trampolin, Torwandschießen, Glücksrad und einer Veranstaltungsbühne mit zahlreichen Show- und Musik-Acts für Kurzweil an den beiden Veranstaltungstagen.

Typisch schwäbisch gab es anstatt der vielerorts üblichen Pasta eine ordentliche Portion Maultaschen mit schwäbischem Kartoffelsalat.

In den vergangenen Jahren verlief der Halbmarathon über die Stuttgarter Vororte zum Max-Eith-See. Dieses Jahr hatte die Strecke durch die Innenstadt Stuttgarts mit zahlreichen Sehenswürdigkeiten ihre Premiere.

Der Start war hinter dem Gottlieb-Daimler-Stadion auf der Benz-Straße. Durch unrechtmäßig geparkte Autos, die erst entfernt werden mussten, verzögerte sich der Start um ca. 25 Minuten. Eine echte Herausforderung für die Läufer die bei bereits herrschenden 30 Grad in der Startaufstellung ausharren mussten. Um das Läuferfeld von ca. 13.000 Startern zu entzerren, war das Feld in vier Startgruppen unterteilt, welche jeweils mit ein paar Minuten Zeitunterschied auf die 21,1 km lange Reise geschickt wurden.

Ab Kilometer 5 sorgte alle 2,5 km eine Wasserstelle für die nötige Erfrischung. Ebenso waren zahlreiche Anwohner die, untypisch für sparsame Schwaben, mit Gartenschläuchen das kühlende Naß auf die Läuferschar prasseln ließen. Auch die auf der Strecke zahlreich vorhandenen Feuerwehren nutzten ihr Equipment mal nicht zum Brand löschen, sondern sorgten ebenfalls für die erforderliche Abkühlung der Läufer.

Dass es manchem Läufer doch zu warm war, lässt sich daran erkennen, dass etwa 300 das Ziel im Gottlieb-Daimler-Stadion nicht erreichten und von den, auf der Strecke zahlreich verteilten, Sanitätskräften versorgt werden mussten. Glücklicherweise kam es aber zu keinen ernsthaften Zwischenfällen so dass alle Läufer, die der Hitze zum Opfer gefallen sind, wieder genesen sind.

Über die Mercedes-Straße und der Cannstatter Straße/B14 ging es am Schlossgarten entlang in Richtung Innenstadt. Am Arnulf-Klett-Platz wurde der Hauptbahnhof passiert und nach einem kleinen Schlenker kamen die Läufer am Schlossplatz vorbei. Nächste Sehenswürdigkeiten auf dieser abwechslungsreichen und anspruchsvollen Strecke waren das Rathaus und die Staatsgalerie.

Bei Kilometer 9 gab es den ersten knackigen Anstieg in Richtung Villa Berg, der bei diesen Temperaturen einigen Läufern besonders zusetzte. Nachdem sich die Läufer auf einer kurzen Gefällstrecke etwas erholen konnten, ging es beim SWR (Kilometer 11) wieder ordentlich den Berg hinauf.

Waren bisher reichlich Zuschauer, die die Läufer frenetisch anfeuerten, und der eine oder andere Schatten auf der Strecke, so verliefen die nächsten Kilometer fast ohne motivierende Zuschauer und kühlenden Schatten durch das weniger reizvolle Industriegebiet von Gaisburg in Richtung Wangen. Nachdem der Neckar bei Kilometer 14,5 passiert wurde, war das Ziel, das Gottlieb-Daimler-Stadion, schon zu sehen und zum Greifen nahe.

Die Läufer wurden aber entlang der Bahnlinie auf der Augsburger Straße bis zur Decker-Straße, die über eine Brücke über die Bahnlinie und die Augsburger-Straße führte, geleitet.

Bereits 18 Kilometern in den Knochen tat der Anstieg zu dieser Brücke noch mal richtig weh und zwangen so manchen Läufer vom Laufschritt in einen gemächlicheren Gehschritt überzugehen.

Die letzten Kilometer waren bereits aus den vergangenen Jahren bekannt und verliefen am Mercedes-Benz-Werk Untertürkheim und Mercedes-Benz-Museum entlang zum Ziel durch das Marathon-Tor im Gottlieb-Daimler-Stadion, wo die Läufer mit einer Medaille empfangen wurden.

Nach einer ordentlichen Erfrischung nutzen viele Läufer den Rasen, der normalerweise von Mario Gomez und Kollegen beackert wird, für eine kleine Auszeit.

Der Termin für die 16. Auflage des Stuttgarter-Zeitungslauf steht noch nicht fest, da voraussichtlich nächstes Jahr das Gottlieb-Daimler-Stadion in eine reine Fußball-Arena umgebaut wird und die Veranstalter am Zieleinlauf im Stadion, der ein besonderes Highlight dieser Strecke ist, festhalten wollen.

Bericht von Olaf Ulmer