Laufbericht Nebelhornlauf 2008

 

Nachdem ich mit Thomas Hörster und Matthias Würth zwei Arbeitskollegen für  unseren Verein begeistern konnte, wollten wir dieses Jahr an einem „besonderen Lauf“ teilnehmen. Meine Laufstrecken, die wir gelegentlich miteinander laufen, führen alle von Heilbronn in die Weinberge hinauf. 150 Höhenmeter hat jede Trainingsstrecke mindestens. So fiel die Wahl auf einen Berglauf, schließlich rennen wir ja bei jedem Training auf mindestens 2km Länge nach oben. Das Wochenende mit dem 13. Juli schien ideal, da keiner von uns zum Dienst gebraucht wurde. Wir hatten die Wahl zwischen Zugspitzlauf und Nebelhornlauf, für welchen wir uns dann auch entschieden. Entscheidend war, dass mir ohne Berglauferfahrung der Zugspitzlauf zu lang und im oberen Teil zu schwierig und obendrein zu kommerziell erschien. Der Nebelhornlauf hingegen bietet zunächst 8,9km Teerstraße und dann noch 1,6km steinigen Naturweg. Dies sollte man läuferisch eher bewältigen können. Und mit 1405 Höhenmetern sollte die Abenteuerlust zu befriedigen sein.

 

Am frühen Morgen ging es um 4:30 Uhr bei noch gutem Wetter gemeinsam los nach Oberstdorf. Bereits vor Stuttgart setzte Regen ein, welcher bis zu unserer Rückkehr auch nicht mehr aufhören sollte. Im Eisstadion konnten wir kostenlos parken. Dort war auch die Ausgabe der Startunterlagen. Eine Tasche mit Ersatzkleidung konnte in der 150 Meter entfernten Talstation der Nebelhornbahn abgegeben werden. Bei strömendem Regen war dies bereits ein sehr nasses Unterfangen. Laut Wetterdienst fielen am Lauftag zwischen 8 Uhr und 14 Uhr 28 Liter Regen/Quadratmeter in Oberstdorf. Zum Start um 9:15 Uhr war es ca. 12-13 Grad warm und glücklicherweise nur schwach windig. Da der Start am Markplatz war, durften wir uns erst mal 800 Meter „Nasslaufen“. Es regnete in Strömen und donnerte zudem. Probleme mit dem Seilbahntransport verzögerten den Start um 10 Minuten. Wir stellten uns im Ort unter Bäumen und Markisen unter, um nicht zu sehr auszukühlen. An ein ordentliches Warmlaufen war nicht zu denken. Sehr problematisch war die Kleiderwahl. Auf dem Gipfel erwarteten wir 5 Grad (3 Grad waren es dann) und auf der Strecke einen heftigen Dauerregen. Die Mitläufer waren von ihrer Leistungsstärke schwer einzuschätzen. Das Zeitlimit betrug 2 Stunden. Recht viele liefen in kurzen Hosen mit T-Shirts. Für kurze Oberbekleidung war uns das Wetter am Berg zu kalt - insbesondere, falls wir einbrechen würden.

 

Dann um 9:25 Uhr der Start. 2 Minuten vorher kamen die gut 200 Läufer aus ihren Löchern gekrochen und versammelten sich hinter der Startlinie. Recht flott ging es gleich los, sodaß mich auf den ersten 1000 Metern locker 30-40 Läufer überholten, dabei auch einige Frauen. Sollten wir es nur mit Profis zu tun haben, zumal bei diesem Wetter? Die ersten 1,5km waren noch recht flach, so bergig, wie man es eben kennt, 4-5% Steigung im Schnitt. Bei Markierung 9km (die Kilometer wurden einzeln angezeigt und rückwärts gezählt) dann ein Schnitt. Für die nächsten 5km betrug die Durchschnittssteigung 10-15% und bei nicht wenigen ging der Laufschritt in flottes Gehen über. Auf der geteerten Straße (Rollsplitt) kam man aber ganz gut voran. Sie war breit genug, die Läufergruppe hatte sich schnell genug in die Länge gezogen. Für mich waren aber überraschend viele vor mir, doppelt so viele als üblich. Nachdem wir die ersten Weiden passierten, kamen zahlreiche Kuhfladen als weitere Erschwernis hinzu. Dank des prasselnden Regens ließ die Reinigung aber nicht lange auf sich warten. Kleine, über den Weg führende Drainagekanäle wurden zu knöcheltiefen und meterbreiten Bächen, die durchwatet werden mussten. Spätestens jetzt waren die Füße pitschnass und begannen zu frieren.

 

Bei 1280 Höhenmetern (von 1405m erst 465m geschafft) die erste Getränkestation an der Seilbahnstation Seealpe. Von der Streckenlänge war schon fast die Hälfte geschafft, es musste also bald recht steil werden. 4km vor dem Ziel kam dann auch der nächste „Knick“. 20-25% Durchschnittssteigung war nun zu bewältigen. Hier lief in unserer Leistungsgruppe eigentlich niemand mehr. Ich hatte diesen Punkt nach 40:30 Minuten erreicht. Für die letzten 4km mit mehr als der Hälfte der Gesamthöhenmeter sollte ich noch etwas länger brauchen. Überholt hat mich allerdings bis auf eine Frau auch niemand mehr. Zwischendurch bei 1700m Höhe gab es noch eine Getränkestation, bis wir bei 1930m Höhe die Bergstation der Seilbahn erreichten, die Station Höfatsblick. Jetzt waren es noch 1,6km auf Naturwegen mit knapp 300 Höhenmetern. Ich begann an Händen und Füßen etwas zu frieren. Zum Glück war es nicht allzu windig. Zwei kurze Schneefelder waren zu durchqueren, in die Steilstücke waren Treppen in den Schnee geschlagen. Durch Regen und Schneeschmelze wurde der Weg wiederholt zu einem kleinen, flachen Bach, in dem man rannte. Jetzt galt es durchhalten. Das Ziel hatte man die letzten 2km immer im Blick. Nach 1:23:44 war ich im Ziel, Thomas (1:28:41) und Matthias (1:30:33) kamen innerhalb der nächsten sieben Minuten. Nach einem warmen Tee galt es – halb im Freien - sich möglichst schnell mit klammen Fingern die nasse Kleidung vom Leib zu pellen und etwas Trockenes, Warmes anzuziehen. Dann ging es 100m weiter zur Seilbahn und sofort von der Gipfelstation zur Bergstation. Dort sollte um 13:00 Uhr die Siegerehrung sein, uns jedoch zog es sofort weiter zur Talstation und weiter, wieder durch den Regen, zum Auto in der Eishalle. Bereits um 12:00 Uhr machten wir uns an die Heimreise.

 

Zuhause, gegen 18:00 Uhr, erfuhr ich erstmals durch meinen Bruder von dem Drama beim Zugspitzlauf. Auch heute, vier Tage später, bewegt uns das Unglück noch sehr, schließlich waren wir zeitgleich nur 50km entfernt auch auf einem Berglauf. Und nicht zuletzt, der Zugspitzlauf war anfangs auch für uns eine Option, die wir glücklicherweise nicht versucht hatten, umzusetzen.

Die Anstrengung haben wir erstaunlich schnell weggesteckt. Ein Marathon wirkt länger nach. Bei schönem Wetter (nicht bei Hitze) ist der Nebelhornlauf sicher ein tolles Lauferlebnis. Zum Andenken gab’s für jeden Teilnehmer ein Finisher-Funktions-T-Shirt.

   

Bericht von Dieter Winkler