Lauf mit Wein, Weib und Gesang

Als um 6:45 Uhr der Wecker klingelte, hatte ich unangenehm schwere Beine. Ich dachte, ob ich vielleicht zu viel trainiert hatte. Ich verdrängte dies wieder, da ich mich ja in den letzten zwei Wochen zurückgehalten hatte. Ich fuhr also nach Heilbronn und traf viele bekannte Gesichter auf dem Weg zur Startnummerausgabe. Bei den Nachmeldungen war ein großer Andrang, die Teilnehmerzahl betrug 1229 beim Marathon und 1474 beim Halbmarathon. Das T-Shirt und die Medaille bekam man lustigerweise schon vor dem Start. Ich begab mich dann in den Startbereich, wo das Hochzeitspaar von einem Fernsehreporter interviewt wurde, daß während des Laufs die erste weltweite Trauung während eines Marathons geniessen durfte. Außerdem wurden noch die Favoriten vorgestellt.

Der Startschuß fiel und ich fühlte mich ganz gut und lief relativ weit vorne auf Platz 30 mit. Die ersten 4 Kilometer waren noch flach, aber dann ging es schon die ersten leichten Steigungen von Sontheim nach Talheim hinauf. Ich nahm etwas das Tempo heraus und hatte meinen Rhythmus gefunden. In Talheim mußte man den ersten anspruchsvollen Berg hinauf, ich wurde aber durch ein besonderes Lob vom Streckensprecher entschädigt. Dann ging es wieder hinunter bis man in Lauffen bei Kilometer 14 den tiefsten Punkt erreicht hatte. An den Verpflegungsständen konnte man auch Wein bekommen, was ich aber lieber verschmähte.

Bis Kilometer 21, dem Start des Halbmarathons in Brackenheim passierte nicht viel, doch dann sah ich plötzlich eine Riesenschar von Läufern vom Halbmarathon, die wegen der Startverschiebung nur fünf Minuten, bevor ich kam, gestartet sind. Nun mußte ich auf den nächsten Kilometern mindestens 1000 Leute auf teilweise schmalen Wegen überholen. Die Strecke war auch wieder am Steigen und hatte mit einer 300 Meter langen 10% Steigung und einem anschließenden 500 Meter langen 10% Gefälle bei Kilometer 27 in Nepperg ihren Höhepunkt. Dies ging natürlich mächtig in die Beine, die sich auf den nächsten Kilometern durch Nordhausen wie Beton anfühlten. In Nordheim mußte ich zum Glück nicht anhalten, hier mußte man nämlich mit einem geschlossenen Bahnübergang rechnen. Schön war, daß ich einige nette Bekannte auf der Strecke getroffen habe, die beim Halbmarathon starteten und man bis zum Schluß nie alleine war, was mich sehr motiviert hat.

Ich kam dann als 58. mit einer Zeit von 3:11:23 ins Ziel und war glücklich mein Ziel von unter 3:15 Stunden erreicht zu haben. Wir schauten dann noch eine ganze Weile zu und bestaunten die originellen Verkleidungen (Robin Hood, Lila Kuh, Schnecke, Wikinger, Hexen, Clowns und jede Menge Männer in Frauenklamotten), wovon die beste ein Preisgeld von 250 DM bekam.

Bericht von André Dicken