Bericht vom Swiss Alpine Marathon in Davos über 78,5 km und 2320 Höhenmeter am 31.07.2004

Nachdem ich im Jahre 1995 den Swiss Alpine Marathon auf der alten 6 km kürzeren und etwas flacheren Strecke bewältigt hatte, reizte mich die Herausforderung, auf der seit 4 Jahren neuen Strecke nochmals zu starten. Der sogenannte K78 gilt als der härteste Bergmarathon der Welt gilt.

Um 8:00 Uhr morgens erfolgte bei gleicher Musik wie bei den Boxkämpfen von Henry Maske der Start des K78, gleichzeitig mit dem K30 bis nach Filisur und dem C42 bis nach Bergün. 10 Minuten früher wurden die Mountainbiker zum Teamwettbewerb und 10 Minuten später die Walker über 31,2 km losgeschickt.

Nach einer Runde in Davos und ein paar lockeren Gesprächen mit anderen Mitstreitern befinde ich mich um 8:22:56 Uhr bei KM 5. Leicht fallend geht es dann vorbei an saftigen Wiesen und herrlichem Sonnenschein bis KM 10, wo die Uhr für mich 8:46:02 anzeigt.

Der erste kräftige Anstieg führt mich Richtung Monstein durch einen idyllischen Wald und vorbei an kleineren Wasserfällen zu KM 15. Es ist nun 9:16:08. Nun geht es wieder steil bergab, wobei ich von einigen Läufer bzw. Läuferinnen in rasendem Tempo überholt werde, die wohl die kürzeren Strecken laufen. Ich lasse mir Zeit und durchlaufe KM 20 um 9:40:30.

Nun führt die Strecke durch die Landwasserschlucht vorbei an einem reißenden Fluss und durch dunkle Fußgängertunnels. Kurz vor dem Wiesener Viadukt, der höchste in Europa, treffe ich meine Familie, die mir mit dem Zug gefolgt ist, um 10:04:22 bei KM 25. Nach der Überquerung des Viadukts über klapprige Holzbretter erreiche ich kurz vor dem Ende des K30 in Filisur die 30 KM Marke um 10:28:32.

Vorbei am Ziel des K30 erreiche ich bei circa KM 33 den tiefsten Punkt, an dem 350 Höhenmeter hoch und 900 runter erreicht sind. Nun erfolgt ein 5 km langer Abschnitt mit circa 500 Höhenmeter in Richtung Bergün. Bei KM 35 zeigt die Uhr 10:54:50 Uhr an. An den steilen Stücken lege ich erste kurze Wanderungen ein. In Bergün , wo der C42 endet und der K42 startet, sehe ich meine Familie zum zweiten Mal und tausche mein nasses T-Shirt gegen ein Radtrikot, das ich aber erstmal ausziehe, da das Thermometer mittlerweile 30 Grad anzeigt. Auf kahlen Wegen komme ich um 11:29:10 Uhr vorbei an KM 40.

Den Marathonpunkt erreiche ich nach circa 3:42 Stunden. Ich werde nun von einigen Spitzenläufern des K42 überholt, die kurz vor meinem Eintreffen in Bergün gestartet sind. Bis KM 45 geht es moderat bergauf Richtung Chants, das letzte Dorf vor dem Hochgebirge. Es ist nun 12:08:05, der Felsen kocht. Nun beginnt der schwerste Teil der Strecke, ein Berg mit circa 1200 Höhenmeter. Über schmale Wege wandere ich bis KM 50, den ich um 13:04:54 Uhr erreiche.

Im steinigen Gebirge geht es hinauf zur Keschhütte, dem höchsten Punkt der Strecke (2632m), wo ich mich kräftig durchmassieren lasse. Die einsetzenden Knieschmerzen werden dadurch gemildert. Nun geht es im Laufschritt bei höchster Konzentration circa 300 Höhenmeter abwärts, wo für mich um 14:03:40 Uhr bei KM 55 der Panoramatrail beginnt. Bei herrlichem Berghintergrund ist dieser Abschnitt zwar nicht so steil, dafür muss ich teilweise über Felsen springen und die Arme einsetzen, um vorwärts zu kommen. Um 14:48:24 Uhr komme ich dann zu KM 60.

Nun beginnt das Überqueren von rutschigen Schneefeldern am Scalettapass. Ich erreiche die nächste Versorgungsstation auf circa 2600 Höhenmetern, an der ich mich noch mal massieren lasse, um dann steil bergab über Schnee und felsigen Wegen nach unten zu laufen. Ich durchlebe noch eine Schrecksekunde, da ich mit dem Fuß umknicke, aber mich glücklicherweise nicht verletzte. Ich fühle mich noch gut und überhole einige Läufer. In diesem Abschnitt stürzen immer wieder Sportler und Sportlerinnen. In Dürrboden ist das Hochgebirge um 15:35:33 Uhr bei KM 65 überwunden. Nun schmerzen die Waden und Oberschenkel. Ich versuche dies zu ignorieren und laufe im 5 Minuten Kilometerschnitt durch das Dorf Teufi (KM70) um 16:01:55 Uhr und erreiche nach einem letzten kurzen Anstieg bei KM 75 um 16:28:25 Uhr Davos. Durch ein Zuschauerspalier komme ich erschöpft, aber glücklich um 16:47:24 als 193. in der Gesamtwertung ins Ziel. Von circa 1200 Meldungen haben 900 (darunter 108 Frauen) das Ziel erreicht.

Bericht von André Dicken

Streckenkarte

Kilometersplits:

5 km 22:56
10 km 23:06
15 km 30:06
20 km 24:22
25 km 23:52
30 km 24:10
35 km 26:18
40 km 34:20
45 km 38:55
50 km 56:49
55 km 58:46
60 km 44:44
65 km 47:09
70 km 26:22
75 km 26:30