Die Leiden des jungen D.

Ich habe mich auf das ungewisse Abenteuer eingelassen, beim Swiss Alpine Marathon über 72 km in Davos zu starten. Als wir am Vorwettkampftag, den 28. Juli 1995, ankamen, war die Atmosphäre sehr entspannt und das Klima wegen der Höhenluft auf 1500 Meter angenehm. Am nächsten Tag war es dann doch etwas aufregender, immerhin waren circa 3000 Teilnehmer am Start, wobei sich 1800 an die lange Distanz wagten.

Dann der Startschuss, man läuft locker, die Leute winken einem zu. Ich habe einen niedrigen Puls und nehme mir vor, nicht zu schnell loszulaufen. Doch nach 10 km ist es passiert: 43 Minuten, viel zu schnell. Ich laufe nun etwas langsamer, da es auch bergiger wird. Bis km 30 geht es ganz gut und ich liege circa an Position 180.

Doch dann kommt der erste gnadenlose 4 km lange Berg mit einer Steigung von circa 8 - 10%. Ich kapituliere recht schnell und marschiere nach oben. Oben angekommen, beginne ich wieder zu laufen. Aber ich verspüre einen stechenden Schmerz in beiden Knien. Ich versuche diesen zu ignorieren und trabe bis Bergün (km 37) weiter. Dort sehe ich Jutta vor dem Ziel zum letzten Mal, die mir vorher schon einige Mal zujubeln konnte, da Begleitpersonen gratis mit dem Bernina Express einige Punkte der Strecke ansteuern konnten. Ich überlege mir aufgrund meiner Knieschmerzen, ob ich aufgeben soll. Ich entschließe mich dann, erstmal weiterzugehen, da nun sowieso der nächste steile Buckel ansteht. Zwei Minuten, nachdem ich durch Bergün gekommen bin, ist der Start des 37 km langen Sertiglaufs. Da diese Läufer noch alle frisch sind, werde ich erstmal von dem kompletten Feld überholt. Dies ist mir aber auch egal, da ich mehr mit meinem eigenen Schweinehund zu kämpfen habe.

Mittlerweile bin ich bei km 42, hier ist die letzte Verpflegungsstelle vor dem Gebirge und eigentlich ja das Ziel bei einem normalen Marathon. Aber hier geht es erst richtig los: 900 Höhenmeter auf den nächsten 8 km. Da ich mich aber inzwischen ans Wandern gewöhnt habe, schaffe ich auch diese Etappe in etwa 1:45 Stunden, wobei es nur einmal zu Trinken gab.

Oben bei km 50 und auf 2700 Höhenmeter erwartet einem dann ein wirklich reichhaltiges Buffet und ein großes Betreuerteam. Ich habe mich dann erstmal durchgefuttert und von zwei jungen Betreuerinnen natürlich nur an den Beinen durchmassieren lassen. Frisch gestärkt läuft es Berg runter trotz dreimaligem Ausrutschen auf dem schneebedeckten Weg erstaunlich gut und ich kann einige Teilnehmer wieder einholen. In 7:50 Stunden komme ich erschöpft, aber glücklich an Position 320 ins Ziel. Trotz der Strapazen hat sich der Lauf gelohnt, da die Landschaft einmalig ist und die Eindrücke bleibend sind.

Bericht von André Dicken

Swiss Alpine Marathon